Interessiert euch wie traditionelle Musik aus Deutschland klingen kann? Möchtet ihr Bands besser kennenlernen und eine bißchen hinter die Kulissen schauen, Tips und Tricks und Empfehlungen euer Lieblingsmusiker*innen bekommen? Bands im Fokus stellt Bands vor, die sich mit traditioneller deutscher Musik beschäftigen. Jede Band postet 3 Monate lang Lieder, Tanzstücke und/oder Tänze die in einer Verbindung zum Deutschfolk stehen. Sie beantworten eure Frage z.B. wie sie zum deutsch-Trad. gekommen sind und was für sie das besondere an dieser Musik ist. Sie teilen ihre Lieblingsstücke mit euch und Ideen zum Arrangieren von Stücken und Liedern. Viel Spaß
Ralf Gehler
Ralf Gehler (* 1963 in Schwerin) ist ein deutscher Musikwissenschaftler und Dudelsackspieler, außerdem hat er die diatonische Handharmonika und das Banjo für sich entdeckt. Er ist außerdem ein besondern beliebter Maultrommelspieler.
Ralf studierte von 1990 bis 1996 europäische Ethnologie und Geschichte an der Humboldt-Universität zu Berlin und wurde an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel zum Dr. phil promoviert. Von 2009 bis 2014 war er als wissenschaftlicher Mitarbeiter des Museums für Alltagskultur der Griesen Gegend in Hagenow tätig. Seit 2014 wirkt er freiberuflich. Ralf ist einer der bekanntesten Musiker und Organisatoren aus der Folkbewegung der DDR. Er war seit 1985 Mitglied bei verschiedenen Projekten: Quickborn, Tüdderkram, Lewark, Ostkreuz Combo, Clasen & Consorten, Reffka, Trespan, Kwart, Malbrook, Pipenbockorchester (Gründer), The Irish Dutchman Session. Zur Zeit spielt er in verschiedenen Besetzungen zum Tanz und Konzert. Zwei Mecklenburger im Wilden Westen (Duo mit Christian Radewald), German Skill (Trio mit Christian Radewald und Vivien Zeller) und Trio Gehler, Radewald, Petzold, seine neueste Besetzung ist Viertour (Ralf Gehler, Tim Liebert, Nico Schneider, Vivien Zeller). Außerdem arbeitet er auch mit verschiedenen Puppenspielern zusammen. Ralf gibt Kurse und bietet historische Wandelkonzerte, Tanzanleitung und Tanzmusik an. Er ist Gründer des Zentrums für traditionelle Musik und Mitgründer des Windros Festivals und der Windros Seminare. Ralf hat ausserdem über viele Jahre die Workshop und Konzert Veranstaltugen „Tage für traditionelle Musik“ und „Pipen und Lyren“ im Museumsdorf in Schwerin Muess organisiert. Rallf hat durch seine unermüdliche Arbeit erreicht, dass das Spiel auf der diatonischen Handharmonika in Mecklenburg zum kulturellen Kulturerbe erklärt wurde.
Ralf hat mit 2 Bands den deutschen Weltmusikpreis Ruth erhalten: mit Malbrook (2005) und mit Kwart (2010)
lesenswerte Veröffentlichungen von Ralf sind:
2016 Das Fahrrad neu erfinden. Dudelsackspiel und Dudelsackbau. In: Wolfgang Leyn, Volkes Lied und Vater Staat. Die DDR-Folkszene 1976–1990. Berlin, S. 149 ff.
2012 Sackpfeifer, Bierfiedler, Stadtmusikanten. Volksmusik und Volksmusikanten im frühneuzeitlichen Mecklenburg. Schwerin (Veröffentlichung der Dissertation: Instrumentale Volksmusik im frühneuzeitlichen Mecklenburg 1500–1800, Kiel 2009).
2010 Geräusch, Lärm, Musik – eine akustische Volkskunde Westmecklenburgs. Chojnice.
„Des Vogels Ruf, des Adlers Schrei – halt’ durch EK, bald bist du frei.“ Volksmusikalische Aspekte der Soldatenkultur der Nationalen Volksarmee. In: Berichte aus dem Nationalkomitee Deutschland im International Coucil for Traditional Music (ICTM/UNESCO). Hrsg. von Marianne Bröcker, Band XIX, Musik und Gewalt, Münster, S. 353 ff.
2005 „Lat de oll Sœg’ mal brummen“ – Bassgeigen in der mecklenburgischen Volksmusik. In: Stier und Greif. Blätter zur Kultur- und Landesgeschichte in Mecklenburg-Vorpommern, Schwerin 2005/15, S. 74 ff.
2003 Die Verrechtlichung des Musizierens auf dem Lande im frühneuzeitlichen Mecklenburg. In: Studien zur lokalen und territorialen Musikgeschichte Mecklenburgs und Pommerns. Hrsg. vom Landesmusikrat Mecklenburg-Vorpommern, Greifswald.
2002 Sackpfeifer in Mecklenburg. Hrsg. Mecklenburgisches Volkskundemuseum Schwerin-Mueß (Mueßer Blätter Nr. 3), Schwerin.
2002 „Die Sackpfeiffe kan ich selber machen, undt habe in meiner Jugendt darauff Spielen gelernet…“ Die letzten Sackpfeifer Mecklenburgs. In.: Musik in Mecklenburg. Beiträge eines Kolloquiums zur mecklenburgischen Musikgeschichte. Hrsg. von Karl Heller, Hartmut Möller und Andreas Waczkat. Hildesheim, Zürich, New York.
1997 Dorf- und Stadtmusikanten im ländlichen Raum Mecklenburgs zwischen 1650 und 1700. In: Historical Studies on Folk and Traditional Music. Kopenhagen.
1996 „De Dudel-Sack kam der ock mit hervör.“ Zwei Sackpfeifenfragmente als archäologische Zeugen norddeutscher Musikkultur. In: Der Dudelsack in Europa mit besonderer Berücksichtigung Bayerns. (Volksmusiksammlung und dokumentation in Bayern, Eine Schriftenreihe des Bayerischen Landesvereins für Heimatpflege e. V.) München, S. 57 ff.
Die Böcke von Hamburg. Ebenda, S. 63 ff.
1995 Kunstpfeifer, Pfuscher und Bierfiedler. Der Kampf der Musikanten des 17. und 18. Jahrhunderts auf den Dörfern Mecklenburgs. In: Stier und Greif. Blätter zur Kultur- und Landesgeschichte in Mecklenburg-Vorpommern. Sonderheft, S. 88 ff.
1994 Die Loliken-pipe. Betrachtungen zum Fragment einer mittelalterlichen Sackpfeife aus dem Rostocker Stadtkern. In: Wismarer Studien zur Archäologie und Geschichte. Band 4, Wismar, S. 94 ff.
Weiterhin habe ich verschiedene Texte für populärwissenschaftliche Blätter verfasst, u. a. „Mecklenburg-Magazin“, „Abenteuer Archäologie“, „Folker“ und das Programmheft des Folkfestivals Rudolstadt.
10. Zentrum für traditionelle Musik
Das Zentrum für traditionelle Musik unter Leitung von Ralf Gehler gibt es seit vielen Jahren in Schwerin. Seit Neuestem ist aus dem Zentrum ein Verein geworden. Da traditionelle Musik ein bedeutendes Element der Volkskultur darstellt, legt das Zentrum gezielt das Augenmerk darauf.
Auf der Webseite des zentrums/Vereins www.tradmusikzentrum.de ist zu lesen: Das Zentrum unterrichtet, präsentiert und fördert diesbezüglich im Sinne der Schaffung und Stärkung des Gedankens einer regionalen Identität. Sich das geistige Erbe unserer Vorfahren bewusst anzueignen und frei zu gestalten ist ebenso Bestandteil der Arbeit, wie die Entwicklung von Respekt und Toleranz gegenüber anderen Kulturen der Welt. Die Aufgabe des Zentrums für traditionelle Musik ist die Integration traditioneller Musik in das heutige alltägliche Leben und sie zum nicht wegzudenkenden Bestandteil musikalischer Öffentlichkeit werden zu lassen. Das Zentrum bietet:
museumspädagogische Angebote im Freilichtmuseum für Volkskunde Schwerin-Mueß im Bereich der Traditionellen Musik
fachlichen Unterstützung von Musikern, die sich Traditioneller Musik zuwenden
Unterrichtung traditioneller Musizierpraktiken und der Organisation von Seminaren
Publizierung und Verbreitung von Studienmaterial und Literatur zur Traditionellen Musik
Dokumentation und Erforschung historischer oder heute existierender traditioneller Musizierformen
Schaffen und Pflegen internationaler Beziehungen im Bereich der Traditionellen Musik
Unterstützung und Präsentation unterschiedlicher in Deutschland existierender Musikkulturen
Unterstützung von Studien zur Traditionellen Musik im universitären Bereich
Organisation des Windros-Festivals und weiterer Konzerte
Hier erzählt Ralf über die Arbeit des Zentrums für traditionelle Musik.
9. Sechser-Quadrille
Quadrillen sind Tänze im Quadrat mit 4 Paaren. Manchmal hat man keine 8 Leute und dafür hat Ralf eine Sechserquadrille entwickelt die mit 6 Tänzern funktioniert. Gespielt wird hier der Noddeutsche Hit „Lott is doot“ bei einem norddeutschen Tanzvergnügen beim Windros Festival. Es spielt eine Sessionbands. Diese verschiedensten Besetzungen ergeben sich bei den Tanzabenden und Seminaren im Mecklenburgischen Volkskundemuseum Schwerin-Mueß.
8. Das Spiel auf der diatonischen Handharmonika – Strandideldam und Flitzkontra
Ralf ist immer wieder auf der Suche nach neuen Stücken für Dudelsack oder diatonische Handharmonika. 2020 ist es Ralf gelungen, dass das Spiel auf der diatonischen Handharmonika in Mecklenburg und Vorpommern in das bundesweite Verzeichnis des Immateriellen Kulturerbes aufgenommen wurde. In diesem Zusammenhang wurde Ralfs Notenbuch „Strandideldam“ in Zusammenarbeit mit Thomas Helms Verlag Schwerin und Klöndör e.V. herausgegeben.
Seit Mitte des 19. Jh. ist die Handharmonika aus dem Musikleben Norddeutschlands nicht mehr wegzudenken. Ihre Bezeichnungen sind Treckfiedel, Ziehharmonika, Harmonika oder nur Monika, Quetschkomode oder nur Quetsche. Das Instrument eroberte schnell die Tanzsäle der Dörfer und bildete den muskalischen Hintergrund gemeinschaftlicher Unterhaltung. (….) Vor 1900 wurden die Instrumente im Osten Deutschlands in Magdeburg, Gera, Leipzig und vor allem in Klingenthal hergestellt. Erst 1903 begann der Siegeszug der Firma Hohner aus Trossingen. Die Instrumente wurden weltweit exportiert und bestimmten bald die Volksmusiken verschiedenster Regionen – u.a. in Schweden (als Magdeburgare), Luisana (german accordion) oder England (german melodeon). Die Lautstärke, rhythmische Schärfe, Robustheit und einfache Handhabung der Handharmonika machte es zum beliebten Tanzmusikinstrument in der Sphäre der Volksmusik. Von den Kunstmusikern wurde es belächelt.
aus: Ralf Gehler, Strandideldam
Ein schönes Tanzstück aus diesem Heft ist Flitzkontra. Gefunden hat Ralf das Stück bei Herbert Oetke „Schönen goden Dag“, Bunte Volkstänze, Berlin 1948. Leicht bearbeitet ist es mit ins Repertoire für den jährliche Instrumentalkurs beim Rudolstadtfestival gekommen, den Ralf zusammen mit Vivien Zeller leitet. Der Kurs präsentiert die gelernten Stücke Sonntags zum Tanz auf dem Festival.
Die Noten findet ihr hier.
7. Bands – Kerle wie wir – Das Mannsbild in der traditionellen Musik
Der professionelle Kneipensänger Raimund Petzold kennt wie kein anderer Schlager, Text-Umdichtungen und traditionelle Lieder „zweifelhaften Charakters“ 😉 Zusammengetan mit Ralf und Chrtistian Radewald entsteht ein sehr lustiges Liederprogramm zum Thema „Kerle wie wir. Das Mannsbild in der traditionellen Musik“. Die Lieder sind manchmal nicht „pc“ und zeigen aber vielleicht genau deshalb die weite Fächerung die traditionelle Musik haben kann, auch wenn es mal derber wird. Den Dreien geht es dabei um das Aufzeigen des Materials, das in den Kneipen gesungen wurde und dadurch sogar mehr der Definition Volksmusik entspricht als das Spiel aus bürgerlichen Handschriften, und nicht die Zelebrierung des Inhalts.
Das Video wurde aufgenommen auf dem Klangrauschtreffen 2022.
6. Bands – Viertour
Ralf spielt in verschiedenen Besetzungen, Bands und auch solo. Einige Bands stellen wir nun vor.
Die neueste band heißt Viertour
Vier Musiker, vier Regionen und eine Leidenschaft: Viertour verbindet traditionelle Musik und Lieder von der Küste bis nach Thüringen zu einem authemtischen und lebendigen Klangerlebnis. Mit Ralf Gehler (diat. Handhamonika & Dudelsack) aus Schwerin, Vivien Zeller (Geige) aus Berlin, Nico Schneider (Waldzither & Banjo) aus dem Thüringer Wald und Tim Liebert (Waldzither & Munti) aus dem Vogtland treffen sich musikalische Wurzeln aus allen Himmelsrichtungen. Melodien aus alten Handschriften, überlieferte Lieder und tanzbare Stücke bringen Viertour zum Klingen – kraftvoll feinfühlig und immer mit eigener Note.
Ralf sagt dazu:
„Viertour“ ist eine ganz neue Band, mit der es viel Spaß macht zu spielen. Getragen von einem herrlichen Humor, thüringischer Wurst und Waldzithern wohin man hört, nimmt man dafür auch weite Fahrten auf sich.
Es geht aber nicht nur lustig zu bei Viertour. In diesem Lied aus der Sammlung Steinitz, „Deutsche Volkslieder demokratischen Charakters aus sechs Jahrhunderten“, 1955, wird das Leiden der Soldaten im Krieg beschrieben. Ralfs ausdruckstarke Stimme transportiert den Text sehr eindrücklich. Die Strophenauswahl und Bearbeitung: Ralf Gehler
Viertour erleben könnt ihr am 10.April 26 im Alten Kranwerk Naunhof und beim Klangrauschtreffen 12.-14. Juni Kurse geben die vier Musiker*innen am 11./12. April 2026 beim Folkus um Alten Kranwerk Naunhof www.kranwerk.com
Beim Klangrauschtreffen www.klangrauschtreffen.de und beim Windros Festival 4.-6. September 26 in Schwerin Muess.
5. Instrumentenbau
„Ab und an baue ich Musikinstrumente. Meist sind das Repliken oder Nachbauten archäologischer Funde. Ich finde das Forschungsgebiet Musikarchäologie faszinierend.“
In diesem Beitrag spricht Ralf über seine Erfahrungen mit Instrumentenbau und stellt einige seiner nachgebauten historischen Instrumente vor.
Hier sind noch mehr Beispiele von Nachbauten historischer Instrumente: 1. Griechische Kithara für das Martin von Wagner Museum in Würzburg mit der grundlegenden Fragestellung, historische Materialien für den Instrumentenbau anders zu bewerten – Haut, Bronze, Horn
2. Nachbau der sogenannten „Mora-Harpa“ in der schwedischen Zorn-Sammlung
3.Vorstellung von einer Hethitischen Leier für das Institut für Musikforschung in Würzburg
Im Video wurden vorgestellt:
4. Große sorbische Geige nach einem Original im Sorbischen Museum in Bautzen
5. Frühmittelalterliche Leier für das Römisch-Germanische Zentralmuseum in Mainz
4. Windmüller
„Die wohl kältesten Muggen in 2025 hatte ich auf dem Dudelsackfestival in POŁAJEWO in Polen im Januar. Fast alle Auftritte waren in geschmückten weihnachtlichen Kirchen – aber KALT!!! Immer knapp über 0 Grad. Dank an Matthias Branschke für diese Spielpfeife. Sie tat ohne Murren ihr Werk.“
Das Stück ist Windmüller – eine Quadrille aus Pommern, die seit vielen Jahren zu Ralfs Repertoire gehört. Es gibt verschiedene Versionen dieses Stückes, zB mit 6 taktigem B-Teil – aufgeschrieben im Notenbuch aus Arendsee, oder mit 8 Taktigem B-Teil wie in dieser Version von Ralf gespielt.
Hier findet ihr 2 Versionen in Noten 1. Die Melodie die Ralf meistens spielt. In diesem Fall noch zusätzlich an die Möglichkeiten des Instruments bei sehr niedriger Temperatur angepasst. 2. Windmüller vom Dammschen See aus „Volkstänze aus Pommern“ von Hildegund und Wolf Hergenhan
Hildegund und Wolf Hergenhan haben zusammen mit Martin Ströfer während der Corona-Zeit eine CD „Tänze aus Pommern“ mit Tanzbeschreibungen zusammen gestellt. Insgesamt sind 11 Tänze aufgearbeitet und eingespielt.
Immer wieder ein Ereignis sind die jährlichen Windros-Winterfolk-Projekte in Emden und Hagenow – immer wieder mit neuen Musikanten, die musikalisch zueinander finden. Hier ein Auftritt mit Journeymen & Malbrook mit Musik aus Schottland und von hier:
2. Forschen und Entdecken
Wenn ich nicht gerade mit Kollegen musikalisch unterwegs bin, sitze ich in meinem Kämmerlein oder in Archiven und grabe mich durch die Geschichte. Das macht mir eigentlich – auf völlig andere Art und Weise – genauso viel Spaß. Ich will wissen, wie diese Musik, aus der wir heute unsere Musik schöpfen, damals funktioniert hat. Diese alten Quellen sind manchmal gar nicht so leicht zu finden. Hier mal ein Beispiel aus dem Lübecker Stadtarchiv. Als ich die Handschrift fand, konnte ich nicht anders und schrie vor Freude im Lesesaal auf. Alle starrten mich an. Das hier war´s: Der Lübecker Instrumentenmacher und Oboist Hans Hinrich Prentzlins streitet sich jahrelang mit der Lübecker Drechslerzunft. Sein Vater war Hirte und Dudelsackbauer in Genin bei Lübeck. Er wird dafür gehänselt. 1766 rechtfertigte sich Prentzlin in dem über Jahrzehnte dauernden juristischen Kampf um die Rechte am Blasinstrumentenbau. Und plötzlich stand da: „Jene mögen immerhin von der Sackpfeife verächtlich reden. Vor einigen Jahren habe ich auf öffentlicher Wette=Stube die damals anwesenden Drechsler überzeugt, daß keiner von ihnen dergleichen Dudelsack zu verfertigen zu der Zeit im Stande gewesen. Hätte also auch mein Vater nichts mehr verstanden, als den Pfeifenbock zu spielen und selbst zu machen; so wäre doch dadurch so viel bewiesen, daß er ein musikalisches Gehör und eine Gabe, Instrumenten zu machen, besessen. Es ist aber im Gegenteil die reine lautere Wahrheit, daß in den vorigen Zeiten verschiedene Drechsler hirselbst meinem seel: Vater diejenigen Instrumenten gebracht, die sie zu machen angefangen und nicht zum Stande bringen können. Gesetzt im übrigen, welches doch erdichtet ist, daß er ein bloßer Bauerknecht und Viehhirte gewesen, so thut solches zu unserm Streite nicht das geringste, sondern es stehet vielmehr den Impetrantibus entgegen, daß der vorgegebene Viehhirte das Instrumentenmachen zu seiner Zeit besser verstanden, als diejenigen, welche seinem Sohne diese Kunst darum verwehren wollen, weil sie sich allein dazu berechtiget erachten“ (Stadtarchiv Lübeck, RKG, K 44 „In Sachen derer Ältesten und Meister des Kunst-Drechsler-Amts zu Lübeck u consl. a N. Prenzlin“, S. 204 ff, Schreiben Hans Hinrich Prentzlins vom 26. November 1766).
Was für Fund! Passiert nicht alle Tage.
1. Ralf erzählt über sich
Hallo! Ich bin gar keine Band. Ich bin nur ich – und es gibt verschiedene Dinge, mit denen ich mich in Sachen „Traditionelle Musik“ beschäftige – Bandprojekte, Orgakram, historische Forschung, Instrumentenbau und das Nachdenken über diese Musik. Vivien meinte, das sei interessant genug – und nun erscheine ich hier als „Band im Fokus“. Ich heiße seit meiner Geburt Ralf und wuchs in Schwerin in Mecklenburg auf, wo ich seltsamerweise immer noch lebe. Einige Jahre Berlin und Hagenow lagen irgendwann dazwischen. Mit 17 Jahren fing ich an, Gitarre und Mandoline zu spielen, mit 21 Jahren hatte ich erste Auftritte und ein Jahr später gab es 1985 die erste Band – „Quickborn“. Deutschfolk der zweiten Generation quasi. Wenn man sich die Kassetten von damals anhört – die Ansagen waren furchtbar, aber den „Groove“, dieses sonderbare Ding, den hatten wir schon. In einem dunklen Keller-Tanzsaal in der Wismarer Mensa verfiel ich 1984 dem Dudelsack – Roman Streisand und Band spielten und ich geriet beim Tanzen in Trance. Wirklich – ich war weg. Dieses Instrument ließ mich nicht los – seit nunmehr 40 Jahren spiele ich es. Zunächst zum Tanz – seit 1986 bei „Tüdderkram“, dann in der „Ostkreuz-Combo“ und dann in verschiedensten Kombinationen mit tollen Musikern bis heute. Konzertprogramme gab es in der Armeesingegruppe des MSR 29, bei „Malbrook“, „Vinkoop“ und „Kwart“. Seit einigen Jahren packte mich die einreihige diatonische Handharmonika – verdammt – mit der gleichen Intensität wie der Dudelsack. Was soll man machen? Zurzeit schleppe ich dieses Instrument (oft mehrere), Dudelsäcke und Maultrommeln mit mir herum – manchmal auch ein fünfsaitiges Banjo. Alles ohne Auto! Hilft ja nicht!
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