Band im Fokus – Silja
Band im Fokus – Silja

Band im Fokus – Silja

Interessiert euch wie traditionelle Musik aus Deutschland klingen kann?
Möchtet ihr Bands besser kennenlernen und eine bißchen hinter die Kulissen schauen, Tips und Tricks und Empfehlungen euer Lieblingsmusiker*innen bekommen? Bands im Fokus stellt Bands vor, die sich mit traditioneller deutscher Musik beschäftigen.
Jede Band postet 3 Monate lang Lieder, Tanzstücke und/oder Tänze die in einer Verbindung zum Deutschfolk stehen.
Sie beantworten eure Frage z.B. wie sie zum deutsch-Trad. gekommen sind und was für sie das besondere an dieser Musik ist.
Sie teilen ihre Lieblingsstücke mit euch und Ideen zum Arrangieren von Stücken und Liedern.
Viel Spaß

SILJA

Die 6. Band im Fokus ist SILJA
https://silja-music.de

Photo: Shendl Copitman

Silja ist die niederdeutsche Kurzform des Namens Cäcilia. Die Heilige Cäcilia gilt als Schutzpatronin der Musiker, Sänger und Dichter. 2018 fand sich Silja pipes’n’strings auf Initiative von Kristina Künzel zusammen, deren große Ambition es schon länger war, deutsche traditionelle Musik zu entstauben und auf eine ungewöhnliche Weise zu interpretieren. 

Da passte es perfekt, dass der international renommierte Klezmer-Virtuose Mark Kovnatskiy ebenfalls auf der Suche nach einem neuen Projekt war. Damit hatten sich schon einmal zwei Melodieinstrumentalisten gefunden. Da Kristina bereits in früheren Projekten mit dem Gitarristen Ben Aschenbach zusammengearbeitet hat, hatte die Band auch kurz darauf ihr harmonisch-rhythmisches Grundgerüst gefunden und war als Trio komplett. 

Die Stärken und Schwerpunkte der einzelnen Musiker waren instrumental in der Ausbildung ihres musikalischen Stils, der sich seit der Gründung zwischen deutschem Folk und Klezmer bewegt. Die Besetzung mit verschiedenen Dudelsäcken aus Deutschland und Schweden, Nyckelharpa, Violine, Gitarre und Cister steckt voller Überraschungen, Virtuosität, Spielfreude und magischen Momenten.

Überschäumende Spielfreude gepaart mit Virtuosität und geschmackssicherer Repertoireauswahl lassen die „Tradfusion“ auf Sackpfeifen, Nyckelharpa (Kristina Künzel), Violine (Mark Kovnatsky) sowie Cister, Gitarre und Bass (Ben Aschenbach) zu einem Hörerlebnis werden. Deutsche traditionelle Musik mischt sich mit jazzigen und jiddischen Einflüssen. Mitreißend und virtuos gespielt. Absolute Empfehlung!
Folker 01/25 (Rezension zum neuen Album „tradtuur“)

6. Mazurka

Ein Stück, das vom musikalischen Hintergrund wie geschrieben für Silja ist. Eine Melodie, die so klingt, als würde sie aus dem deutschsprachigen Raum kommen, betitelt mit einem Tanz, der nicht dem üblichen Klezmerrepertoire zugeordnet wird, befindet sich in einer umfangreichen Sammlung tradi- tioneller Klezmerstücke. Verwunderlich ist das nicht, denn die jüdischen Musikanten haben nicht nur auf jüdischen Veranstaltungen jüdisches Repertoire gespielt sondern, da sie immer unter anderen Völkern gewohnt haben, auch deren Musik kennengelernt und auf den Veranstaltungen gespielt. In den Jahren 1912 – 1914 sammelte der weiß-russische Ethnologe Zusman Kiselgof traditionelle jüdische Melodien in der Ukraine und in Weißrussland. Avraham Makonovetsky wiederum war ein jüdisch-russischer Violinist, der viele handschriftliche Manuskripte notierte.

5. Sher / Quadrille

In diesem Set verbindet Silja wieder eine deutsche Melodie mit einer Klezmermelodie, die Quadrille Nr. 24 aus dem AltländerNoten- und Tourenbuch mit einem Sher. Dieses Mal nicht, weil sich die Melodien so sehr ähneln, sondern vielmehr, weil sich die Tänze sehr ähneln.

Hier ein Beispiel für den Tanz Sher:

4. Bordun-Gespräch

Durch die Instrumentierung mit Sackpfeife ist Silja eine sehr bordunlastige Band. Was überhaupt den Bordun ausmacht, wie er die Musik beeinflusst, was das für die die Harmonisierung bedeutet und ob er auch mal unpassend ist, darüber sprechen wir in diesem 4. Beitrag für Band im Fokus.

In ihrem Podcast „pipes for good vibes – Der Podcast rund um den Dudelsack“ spricht Kristina mit den unterschiedlichsten Gesprächspartnern über die verschiedensten Sackpfeifentypen, Ausprägungen, Besonderheiten und die Geschichte dieses Borduninstrumentes.

3. Kupffer Schmitt / Schwaben Däntz

Eines unserer Lieblingsstücke und damit auch das Eingangsstück unseres neuesten Album „tradtuur“ ist ein Set bestehend aus zwei Stücken aus dem Dantz Büchlein des Johann Friedrich Dreyßer, das auf das Jahr 1720 datiert ist. Das Original dieser Tanzsammlung liegt in der Staatsbibliothek in München.
Gerade das erste Stück aus dem Set, der „Kupffer Schmitt“, hat das Zeug, der absolute Sessionhit zu werden, es erklingt zumindest immer häufiger landauf landab. Wir interpretieren ihn in der Harmonisierung sehr bordunlastig, was den tranceartigen Charakter des Stückes und auch den vorhandenen Bordun des Dudelsacks noch unterstreicht. Die Melodie „Schwaben Däntz“ ist eingebaut in den „Kupffer Schmitt“, der damit eindeutig das Set dominiert.

2. Schartlusie / Shabbes Backwards March

Während der Proben und der Suche nach neuen Stücken, passiert es den Musikern Silja öfter, dass sie Ähnlichkeiten zwischen den einzelnen Kulturen erkennen und sich so wunderbar Sets bilden lassen. So auch bei diesem Set: Kristina hat ihren Kollegen die Melodie der Schartlusie aus der Tanzsammmlung Dahlhoff vorgespielt und Mark hat sofort Ähnlichkeiten zu einem sehr populärem traditionellen Klezmer-Stück gefunden.

Die Schartlusie aus der Tanzsammlung Dahlhoff ist in ganz ähnlichen Varianten noch als „Pannkauken-Tanz“ im Tanzbuch aus Arendsee und als „La Jalousie“ im Wolfenbütteler Tanzbuch enthalten (sogenannte Parallelquellen).

Der Shabbes Backwards March gehört beim KlezKanada zur festen Institution und wird dort von dem Teilnehmern gespielt, rückwärts laufend:

1. Die Band stellt sich vor

SILJA stellt sich vor und erzählt wer sie überhaupt sind, wo die Hintergründe der einzelnen Musiker liegen, wie einzelne Musiker zum Folk gekommen sind, was das Faszinierende an traditioneller Musik ist, wie traditionelle deutsche Musik und jiddische Musik zusammen gehören und was sie sich für den Deutschfolk wünschen.