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Traditionelle Tanzmusik - das ist die Diskomusik unserer Vorfahren. Traditionell bedeutet, dass es keinen bekannten Komponisten für die Musik gibt. Sie wurde von Mund zu Mund und Ohr zu Ohr weitergegeben und ist vor allem veränderbar. Die meist kurzen Stücke, werden von verschiedenen Tanzmusikern auf verschiedene Art interpretiert, "zurechtgespielt", improvisiert und ans Instrument angepasst. Dabei geht es immer um die Funktion dieser Melodien - nämlich als Tanzmusik. So ein Stück muss in die Beine gehen und grooven, die Tänzern bewegen.

Manche Tanzmusiker aus früheren Zeiten haben - genau wie heute - ihre Stücke aufgeschrieben. Manchmal haben auch Ethnologen, Interessierte und Sammler die Tänze einer Region gesammelt oder die Tänze eines Musikers notiert. In solchen handschriftlichen Manuskripten, sind diese musikalischen Schätze bis heute überliefert und können von uns wiederbelebt werden. Viele tausend Stücke wunderschöner Musik aus verschiedenen Epochen gibt es da zu finden. (Vivien Zeller)
Deutscher Nr. 58 und Altländer Nr. 48

Tanzstück des Monats September 2022

Deutscher Nr. 58 und Altländer Nr. 48

Nach dem tollen Sommer voller Musik hört der Festivalspaß noch nicht auf.

Vom 23.-25. September wird das 2. Deutschfolkfestival stattfinden, dieses Mal in Frankfurt an der Oder. Dort wird es auch eine DeFI-“Tanzstück des Monats“ Spiel- und Lernsession und einen Ensemblekurs mit Stücken aus deutschen Handschriften geben. Schaut doch mal vorbei und spielt mit!
https://kuma-gb.de/event/2-deutschfolkfestival/

Zu diesem Anlass möchte ich euch dieses Mal gleich zwei Stücke aus zwei verschiedenen Handschriften vorstellen.

Das erste Stück kommt aus dem Seibiser Notenbuch aus Oberfranken (1784) und das zweite aus den Altländer Noten- und Tourenbüchern (1791/1792) aus der Hamburger Gegend. Also ein richtig interkulturelles Set :-)

Zusammengefügt und aufgenommen hat die Gruppe "Deitsch" die beiden Stücke. Schon länger beschäftigen sich Gudrun Walther und Jürgen Treyz mit Volksliedern und traditioneller Musik aus Deutschland. 2019 gab es ein Comeback der Band in neuer Besetzung. Ausgewählt hat die Band die Stücke, "… weil sie so schön flott sind und dabei aber beide noch das gewisse Etwas haben. Es sind eben nicht nur Akkordbrechungen, sondern beide Stücke sind melodisch interessant, das erste durch den Tonartwechsel von A- zu B-Teil sehr reizvoll und das zweite bietet durch seine Dreiteiligkeit schöne Möglichkeiten für dynamisches Spiel. Kurz: es sind echte Hits, und sie machen sehr viel Spaß!!!" (Gudrun Walther)

Viel Spaß also mit Deutscher Nr. 58 und Altländer Nr. 48:
https://www.youtube.com/watch?v=xgvxgtetVpE&t=2s

Informationen zu den Handschriften und zu anderen Notensammlungen des deutschsprachigen Raums findet ihr unter www.tanzmusikarchiv.de

Ein langsames Lernvideo für jedes Stück findet ihr wie immer auf www.youtube.com/tradtanzmusik/

Nr. 48 aus den Altländer Notenbüchern
https://www.youtube.com/watch?v=-3B1_MT8i9o

Nr. 68 aus dem Notenbuch des H.N. Philipp (in der Abschrift von E. Zachmeier als Deutscher Nr. 58)
https://www.youtube.com/watch?v=1RHITycgZYA&t=71s


Anglois N12

Tanzstück August 2022

„Menuett Laschene“

Die Tanzsammlung Dahlhoff (Westfalen, 1767-1799), die größte und wohl bekannteste Tanzmusik-Sammlung aus dem deutschsprachigen Raum, birgt viele Schätze. Die rund 2000 Stücke Tanzmusik wurden von der Lehrer-/ Küster- und Tanzgeigerfamilie Dahlhoff über zwei Generationen aufgeschrieben.

Eine der schönsten und meistgespielten Melodien ist das „Menuett Laschene“, für das sogar extra ein Tanz choreographiert wurde, denn der Originaltanz ist leider verschollen.

Es gibt verschiedene Parallelquellen für dieses tolle Stück, u.a. als „Menuett de la chaine“ in der Violinhandschrift von Wanderbrille, Wallonie.

Der Emder Musiker und Sänger Wolfgang Meyering, der in den 70 Jahren mit der ostfriesischen Folkband „Spilwark" bekannt wurde und 2005 für und mit seiner norddeutschen Band „Malbrook“ den Weltmusikpreis „Ruth“ für Deutschland gewonnen hat, war maßgeblich beteiligt an der Entdeckung der Dahlhoff-Sammlung.

Meyering hat sich seit den 70 Jahren mit traditioneller Musik aus dem Norden Deutschlands beschäftigt, und zusammen mit den Musikern von Malbrook Verbindungen und Überschneidungen zu skandinavischer Musik erforscht.

Die Band organisiert und arbeitet u.a. beim Winterfolk Festival und Windros-Festival immer wieder mit international übergreifenden Projekt-Bands, bei denen deutsche und andere traditionelle Musik gemeinsam zu hören ist. (https://de.wikipedia.org/wiki/Malbrook)

Malbrook hat natürlich auch das Stück „Menuet Laschene" im Programm und diese Version (Aufnahme 2013) möchte ich heute vorstellen:
https://www.youtube.com/watch?v=VCBtfJjtFtY

Die Band wird dieses Jahr 20 Jahre und wird beim Windros-Festival (9.-11.September 2022 im schönen Museumsdorf Schwerin-Muess) ein Jubiläumskonzert mit internationalen Gästen geben. Das Windros-Festival feiert dieses Jahr 10-jähriges Jubiläum (www.windros-festival.de).

Mehr Informationen zur Dahlhoff-Sammlung findet ihr auf www.tanzmusikarchiv.de.

Ein Lehrnvideo zum Stück findet ihr wie immer auf dem YouTube Kanal TradTanzMusik:
https://www.youtube.com/watch?v=V6_sE6XjLXE


Anglois N12

Tanzstück Juli 2022

Anglois N12

Liebe Freunde,

der Sommer ist da, und mit ihm öffnen sich wieder die Tore für viele Tanz- und Folkfestivals. Ein Stück, das sich in den letzten Jahren rasant verbreitet hat ist die Anglois N12 aus dem Wernigeröder Tanzbüchlein von 1786. Bekannt geworden ist das Stück unter dem Spitznamen "Prinz Peter bei den Schweinen" und hat mittlerweile u.a. schon in England, Schottland, Dänemark und bis in die USA für Furore gesorgt. Das tolle Stück ist in Mixolydisch notiert und wird hier von der Band "Silja" vorgestellt.

Silja
"2018 gegründet, treffen erfahrene Musiker ganz unterschiedlicher Musikrichtungen aufeinander. Traditionelle Musik aus Deutschland trifft jiddische und jazzige Einflüsse. Groovige Tanzstücke treffen auf Balladen voller Sehnsucht, barocke Einflüsse auf bodenständige Melodien – eine einfühlsame und gleichzeitig zielsichere Gratwanderung zwischen Tradition und Moderne."
www.silja-music.de

Video: https://youtu.be/Vjj1xn5k0oM?t=262

Auf TradTanzMusik, dem Youtube-Kanal für traditionelle Musik aus deutschen Handschriften, findet ihr wieder ein Lernvideo.

https://www.youtube.com/watch?v=94J8iYGn7dw&list=PL8T34eFsvHmKFXWQVOxPnhi1pGOI_U_rf&index=3

Das Wernigeröder Tanzbüchlein ist 1786 einer Frau Henriette Gercken gewidmet worden und beim Kloster Michaelstein im Reprint erhältlich.
Es handelt sich um ein 140 seitiges Notenbuch vor allem mit Angloisen oder Englische z.T. mit Tanzbeschreibung in Tanzschrift, aber auch Menuette und andere übliche Tänze des 18. Jahrhunderts finden sich in dem kleinen Heft.

https://www.kloster-michaelstein.de/forschung- sammlungen/publikationen/#collapseBox-15644

Und für alle, die noch nicht genug haben, kommen hier noch drei andere Interpretationen des Stückes:

Akleja: https://www.youtube.com/watch?v=XClJRmoB0LM

Klangrauschquadrilleband: https://www.youtube.com/watch?v=jCtHQYz466A

Jim Penny und Wolfgang Meyering: https://www.youtube.com/watch?v=01cEEY346fw


Fünf Minuten - Partitur

Tanzstück Juni 2022

Fünf Minuten

Liebe Freunde der traditionellen Tanzmusik.
Die Lüneburger Heide ist die Gegend, in der noch bis in 1950er Jahre auf Feiern und Hochzeiten die sogenannten "Bunten Tänze" getanzt wurden. Diese Tänze sind choreografierte Gemeinschaftstänze, die in kleinen oder großen Gruppen getanzt wurden. Ein Großteil dieser Tänze wurden von Anna Helms-Blasche und Julius Blasche dokumentiert und seit 1912 meist in bearbeiteten bzw. neu choreographierten Versionen veröffentlicht.

Das Museumsdorf Hösseringen fragte Thomas Behr und mich vor einigen Jahren, ob wir Interesse hätten, den Nachlass und die Notensammlung von Hermann Oberin zu besichtigen. Er war Suderburger Tanzgeiger und Leiter der Kapelle "Die schwarzen Raben", so genannt weil sie immer im Anzug spielten. Die Kapelle wurde vom Vater des Verstorbenen gegründet, war bis in die 50 Jahre aktiv und wie Zeitzeugen berichten, sehr beliebt.
Wir fanden eine interessante Mischung von handgeschriebenen Noten, die mit Schottisch, Rheinländer, Polka usw. überschrieben waren, bis hin zu mehrstimmig gesetzten Stücken, gedruckten Operettenmelodien und Schlagern und auch Bunte Tänze.

Die handschriftlichen Noten haben wir mit Einverständnis des Museums digitalisiert und auf www.tanzmusikarchiv.de veröffentlicht.

Ein Stück gefiel mir gleich beim ersten durchstöbern besonders gut: Die Melodie mit dem Titel "Fünf Minuten".

Da das Klangrauschtreffen immer im Juni im Museumsdorf Hösseringen, im Landkreis Suderburg stattfindet, hat die Klangrausch-Quadrillenband sich des Stückes angenommen und so ist vor einigen Jahren die Melodie des Suderburger Geigers H. Oberin wieder in der Heide erklungen, und hat auch dieses Jahr wieder das Treffen als letztes Stück beendet. Hier kommt die Version der Klangrausch-Quadrillenband:

https://www.youtube.com/watch?v=zFj0KoWWPzk

Ich hatte erst nur die Melodie-Stimme gefunden und den 3. Teil als Moll-Teil interpretiert, mit Fund der 2. Stimme in einem anderen Stimmheft, wurde aber klar, dass es sich doch um einen weiteren Dur-Teil handelt. Der Moll-Teil gefiel allerdings allen so gut, dass er beibehalten wurde.

Beim Online-Klangrauschtreffen 2021 wurde das Stück von der Band live unterrichtet.

Hier kommt der Facebook-Link zum Livestream: https://www.facebook.com/watch/live/?ref=watch_permalink&v=700460250523284

Ich hoffe, euch gefällt das Stück so gut wie mir!
Vivien Zeller


Danz 24

Tanzstück Mai 2022

Danz 24

Diesmal geht es nach Niederbayern, aber dort klingt es manchmal ganz anders als ihr vielleicht denkt. Die Noten, welche die Bäuerin und Kirchenmusikerin Ana Maria Leyrsederin 1761 in dem damals noch bedeutsamen Pilgerort Wippstetten (damals Wippstötten) aufgeschrieben hat, sind etwas ganz besonderes. Viele Stücke sind nämlich in der lydischen Skale aufgeschrieben. Das klingt beim ersten Hören erst einmal fremd, gibt der Musik aber auch ihren ganz besonderen Reiz. Wahrscheinlich war es „der Versuch orale musikalische Praxis in einer nicht dafür geschaffenen Notation festzuhalten.“ vermutet Simon Wascher, der sich ausführlich mit der Handschrift beschäftigt, sie abgeschrieben und veröffentlicht hat. Ende der 80er-Jahre, kamen beim Abriss eines Hauses ein Stapel Kirchenmusik und zwei Stimmhefte zum Vorschein. Sie gelten als die älteste Handschrift instrumentaler Gebrauchsmusik, die in Niederbayern bislang gefunden wurde.

Das Stück, dass ich euch vorstellen möchte, ist als „Danz 24“ bezeichnet. Die innovative Österreichische Kapelle „Tanzhausgeiger“ hat dieses Stück als „Schleunige“ Tanz für eines ihrer Videos verwendet und ich finde das sehr passend.
https://www.youtube.com/watch?v=YTXnmZxyOu0

Die Tanzhausgeiger haben neben traditioneller österreichischer und ungarischer Musik, auch noch mehr Stücke aus der Leyrsederin Handschrift in ihrem Repertoire und ich hoffe ihr bekommt auch Lust darin zu stöbern, denn was auf der Webseite der Band steht, trifft auch auf diese Handschrift voll und ganz zu. „Im Tanzhaus geht es um das Eintauchen in den pulsierenden Rhythmus, um sich gemeinsam mit der Musik aufzuwirbeln.

Jeder Flecken Erde wird zum Tanzboden, jedes Haus zum Tanzhaus. Musik in alten Handschriften entdeckt und direkt aus den dampfenden Sälen destilliert. Musik mit Spielwut und Risikofreude:" www.tanzhausgeiger.tradmus.org

Mehr Informationen zur Handschrift findet ihr im Quellenverzeichnis auf www.tanzmusikarchiv.de

Eine langsame Lernversion habe ich euch auf www.youtube/tradtanzmusik.com eingespielt.
https://www.youtube.com/watch?v=vtz1ecz1gtw

Seit sieben Jahren findet übrigens einmal im Jahr das „Reisende Archiv“ in Wippstetten/ Koblepoint statt. Auf dem Hof, auf dem Ana Maria Leyrsederin wohl einst die Noten aufgeschrieben hat, treffen sich Musiker und Musikerinnen unter der Leitung von Simon Wascher, Hermann Haertel jun. (Tanzhausgeiger) und Hermann Fritz, um aus der Handschrift zu musizieren und zu tanzen.


Ballett-Quadrille

Tanzstück des Monats April 2022

Ballett-Quadrille

Diesmal gibt es wieder einen Kontra-Tanz für euch, nämlich die "Ballett-Quadrille", im Video getanzt als improvisierter Longway.

Das Stück habe ich in "Schön goden Dag. Bunte Volkstänze, schöne Volkslieder" gefunden. Das Buch mit verschiedenen Tanzmelodien und Tanzbeschreibungen, hat der Tanzforscher Herbert Oetke (auch: "Der deutsche Volkstanz") zusammengestellt und 1951 in Berlin veröffentlicht. Er schreibt, dass die Melodie aus Groß Thondorf/Kreis Uelzen stammt. Der von Oetke überlieferte Tanz ist wie der Name schon sagt eine Quadrille und wird diesen Monat unter der Rubrik Tanz des Monats vorgestellt.

Gespielt wird die Ballett-Quadrille hier von der Klangrausch-Quadrillen-Band, die sich 2013 spontan aus verschiedenen Musiker*innen beim Klangrauschtreffen zusammengetan hat, um einen Kurs zur Improvisation von Quadrillen und Longways musikalisch zu unterstützen. Seitdem ist die Band - in relativ freier Zusammensetzung - die Eröffnungskapelle des Festivals und es ist toll zu sehen, wie die Tänzer gemeinsam improvisieren.

https://www.youtube.com/watch?v=AlilCAgLA-o&list=PL8T34eFsvHmKFB5AzsGWfM3agWSn0UY3s&index=47

Eine langsame Lernversion findet ihr wie immer auf TradTanzMusik - dem Youtube Kanal für Tanzmusik aus alten Handschriften.

https://www.youtube.com/watch?v=EVXQvgFUHs0&list=PL8T34eFsvHmL5ZVqAmTZKUCCVGOy2lRLL&index=13


Nr. 26 aus dem Dantz Büchlein des Johann Friedrich Dreyßer

Tanzstück des Monats März 2022

Nr. 26 aus dem Dantz Büchlein des Johann Friedrich Dreyßer

Das Dantz Büchlein des Johann Friedrich Dreyßer ist datiert für 1720 und meiner Meinung nach eine der besonders schönen Handschriften aus Deutschland. Das Original liegt in der Bayrischen Staatsbibliothek in München und ist eine Reise wert.

Das Besondere an dieser Handschrift ist, dass sie noch einige Stücke in modalen Tonarten enthält und manche Stücke daher eher eigentümliche, schon fast Trance-artige Melodien haben. Besonders deutlich wird dies im Vergleich zur 1914 entstandenen Abschrift der Handschrift, die im Besitz des Östereichischen Volksliedwerkes ist. Dort wurden die wahrscheinlich als "Schreibfehler" angesehenen modalen Stücke vom Abschreiber nach Dur oder Moll "verbessert" und der ganze Zauber ist verloren. Wunderbar, dass es die Originalhandschrift noch gibt, und wir zu diesen tollen Melodien Zugang haben.

Mehr Infos zur Handschrift findet ihr auf http://tanzmusikarchiv.de unter dem Menüpunkt Quellenverzeichnis.

Falls ihr stöbern wollt, geht es hier zum Download der digitalisierten Originalhandschrift http://daten.digitale-sammlungen.de/0010/bsb00108196/images/

Eine meiner Lieblingsmelodien aus dem Tantz Büchlein Dreyßer, ist ein Stück im 3/4 Takt namens "Nr. 26"

Es ist unklar welcher Tanz dazu getanzt wurde, bzw. ob überhaupt dazu getanzt wurde. Es hängt also ganz und gar von euch ab, wie ihr diese Melodie spielt und welchen Charakter ihr dem Stück gebt, als Walzer, Poloness, Bourrée, zum Zuhören ... ganz wie ihr wollt.

Hier hört hier meine derzeitige Lieblingsversion des Stückes, gespielt vom Harfen-Duos Zirla.

Zwei Musikerinnen, vier Hände, 70 Saiten ... Daniela Heiderich und Merit Zloch, beide seit Jahren international mit ihren Böhmischen Hakenharfen solo und in verschiedenen Bands unterwegs, haben sich zusammengetan, um ihr Publikum mit doppelter Harfenkraft zu verzaubern.

Ihre Musik speist sich aus zwei Quellen: Alte Tanzmusik (meistens aus deutschen Quellen) und Lieder als Basis für eigene Arrangements, die Einflüsse aus Latin, Jazz, Rock, Pop und Weltmusik aufnehmen, und assoziative Eigenkompositionen, die das inneren Auge des Zuhörers ansprechen. Viel Freude mit Nr. 26 von Zirla: https://www.youtube.com/watch?v=_1npD5oHD74



Zur Inspiration, möchte euch außerdem noch eine Bearbeitung für 3 Melodie-Stimmen desselben Stückes vorstellen:
https://www.youtube.com/watch?v=zbX-zVnHTCc&list=PLqS6TG-NlNXoPLF2d2AfU_e4t-kmU-9qf&index=6

Eine dritte Interpretation und langsame Lernversion findet ihr wie immer auf TradTanzMusik - dem Youtube Kanal für Tanzmusik aus alten Handschriften:
https://www.youtube.com/watch?v=8drj0RwT0Og&list=PL8T34eFsvHmK0RHVg4rRQrFjbDCj-p3Nz&index=3&t=158s


Klapperman

Tanzstück des Monats Februar:

Klapperman

Heute stelle ich euch die schöne Melodie "Klapperman" aus der Dahlhoff-Sammlung vor.
Die Küster- und Lehrerfamilie Dahlhoff (selbst Geiger), gebürtig in Kirch-Dinker in Westfalen, haben von 1767 bis 1799 diese 11-bändige Sammlung von ca. 1300 ein- bis dreistimmigen Stücken aufgeschrieben. Damit ist sie die größte bis dato in Deutschland gefundene Tanzmusik-Sammlung! Simon Wascher entdeckte die Handschrift 2007 in der Staatsbibliothek in Berlin. Durch einen Spendenaufruf und eine Gruppe interessierter Musiker*innen konnte sie 2012 digitalisiert werden. Infos zur Originalhandschrift und noch viele mehr findet ihr auf www.tanzmusikarchiv.de und außerdem auf https://richmud.de/handschriften/tanzsammlung-dahlhoff.html. Hier findet ihr auch eine komplette Abschrift der Sammlung.

„Klapperman" ist eine der Melodien, die in Europa gewandert sind und in verschiedenen europäischen Handschriften auftauchen (kein Wunder bei der schönen Melodie). So ist das Stück z.B. notengleich auch als Nr. 38 'La Lavandiere' in der Handschrift Fransiscus De Prins (Leuven, 1781) zu finden. Wo die Melodie zuerst entstanden ist, ist nicht nachvollziehbar, und das macht auch nichts.

Die Band WÖR hat sich auf traditionelle Musik des 18. Jahrhunderts aus Flandern spezialisiert und hat eine tolle Version dieser Melodie aufgenommen. In ihrem Repertoire finden sich übrigens noch mehr Überschneidungen zu Melodien in deutschen Handschriften.
https://www.youtube.com/watch?v=nP7xUU5em1E&list=PL8T34eFsvHmKFB5AzsGWfM3agWSn0UY3s&index=37

Ein langsames Lernvideo zum Stück findet ihr auf dem Youtube-Kanal TradTanzMusik, gespielt von Tom Daun. (Er spielt hier allerdings, anders als in den Noten, die ersten zwei Töne im A-Teil punktiert.)
https://www.youtube.com/watch?v=AQkr6qEK44U&list=PL8T34eFsvHmJzU9zJfW5TOXb_jLNFH8Oh&index=12

… und was tanzt man dazu?
Die Melodie taucht als "Contre Danze" in der Sammlung des Joannes de Gruytters (Antwerpen 1746) auf. Die genaue Choreografie dieses Contre Danze (Kontra-Tanz) ist bis jetzt leider nicht bekannt. Der Tanz des Monats Februar stellt euch daher eine neu entwickelte Choreografie als mögliche Tanzform vor.

Die Melodie und Rhythmusstruktur dieser Melodie lässt aber auch einfach einen Schottisch zu. Je nachdem für welchen Tanz ihr euch entscheidet, ist es wie immer wichtig, die Spielweise entsprechend anzupassen.


Poloness 44 nach Fuellgraf

Tanzstück des Monats Januar:

Die Polonaise

Der Januar-Tune ist eine Polonaise aus der Handschrift des Stadtmusikanten Heinrich Friedrich Füllgraf. Er war von 1816-1869 Stadtmusikant in Bergedorf bei Hamburg und hat auch seinen Sohn auf der Geige unterrichtet. In der Notensammlung sind 176 Stücke für Violine zu finden. Das Manuskript wurde 1906 vom Enkel des Musikers dem Bergedorfer Bürgerverein gestiftet, wo Hinrich Langeloh es 2017 wiederentdeckt hat. Die Originalhandschrift und noch viele mehr findet ihr auf www.tanzmusikarchiv.de

Polonaisen sind Melodien im langsamen 3/4 Takt mit vielen Tonleitersequenzen und verschieden langen Phrasen und Teilen. Sie können als Aufzugspolonaise (grand march) oder als Wickler - Paartanz getanzt werden. Dabei improvisieren die Tänzer verschiedene Wickelfiguren während sie gleichmäßig zur Musik laufen. Ein gleichmäßiger Beat ist beim Spielen also notwendig.
Polonaisen oder Poloness werden in Schweden seit langem als Tanzmusik für Slängpolska verwendet und es finden sich viele Stück-Überschneidungen in schwedischen und norddeutschen Tanzmusikmanuskripten. Es herrschte also reger Austausch.

Und hier kommt eurer Tanztune des Monats Januar, wunderschön gespielt von Akleja.
Björn Kaidl - Zither, Nykelharpa, Gitarre und Regina Kunkel - Nykelharpa


Sie spielen seit 2014 zusammen und sind besonders von der schwedischen Musiktradition und der deutschen Folk- & Tanzmusik geprägt, die in alten Notenbüchern in Bibliotheken schlummert und zu neuem Leben erweckt werden möchte:
https://www.youtube.com/watch?v=8DAiKGJSAvk

Ein langsames Lernvideo zum Stück findet ihr auf dem Youtube-Kanal TradTanzMusik:
https://www.youtube.com/watch?v=nN3sbbv2ieI