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TANZEN

Hinrich Langeloh vom Bundesverband für Deutsche Tänze (bvfdt.de) präsentiert jeden Monat einen neuen oder auch traditionellen deutschen Tanz. Das Ziel dieser Präsentation ist es, unbekannte traditionelle deutsche Tänze bekannter zu machen und vor allem auch neue deutsche Tänze vorzustellen, die in den letzten Jahren in der Osdorfer Werkstatt für neue deutsche Tänze entwickelt wurden.


Aktuelle Empfehlung — Tanz des Monats:

Der Tanz des Monats Dezember 2022:
Die Weihnachtspolonese

Eine schon länger ausgestorbene Tanztradition ist die Weihnachtspolonese in den Dörfern des oberen Westfalen, wie z.B. in Dinker. Heute gibt es nur noch ganz merkwürdige Plagiate dieser Tradition, wie in diesem kurzem Beispiel: https://www.youtube.com/watch?v=5MLoMVQ6ppg

Am 1. Weihnachtstag versammelte sich die Dorfjugend um einen großen Weihnachtsbaum und es wurde zunächst im Polonesenschritt (links-rechts-links und rechts-links-rechts mit besonderer Betonung des ersten Schrittes) in zwei Kreisen die Paare ausgelost.

Der Mädchenkreis ging in Uhrzeigerrichtung und der Männerkreis in Tanzrichtung um einander herum. Nach der ersten Polonesenmelodie ertönte ein Fanfarenstoß und ein jeder Junge suchte sich ein Mädchen aus für die große Weihnachtspolonese. Das typische an dieser Polonese war, dass sie immer im Kreis um den Tannenbaum herumging und die verschiedenen bekannten Varianten der Polonese getanzt wurden. Dies ging solange, dass die Musiker gezwungen waren eine ganze Menge an Polonesenmelodien zu spielen. Daher ist es nicht verwunderlich, dass in der wiederentdeckten Dahlhoffsammlung aus Dinker sich so viele Polonesen befinden. Nach einigen Stunden des Polonesetanzens setzte eine Art Trance ein und die Tänzerinnen und Tänzer mussten beim Tanz mit heißen Getränken, dem sogenannten Glühwein, versorgt werden. „Glühen“ ist das Wort im westfälischen Platt für „tanzen“ und so entstand die enge Verbindung aus Trinken und Tanzen um die Weihnachtszeit, wie es vereinzelt auch noch an Glühweinständen in Deutschland zu beobachten ist. Hier ist ein Beispiel, wie sich ein Polonesenstück im 18. Jahrhundert damals in Dinker angehört haben mag: ALTAMI – Polonese 239. Damals war die Sackpfeife, in Westfalen „Dödelsack“ genannt noch sehr in Mode und dominierte die Tanzmusik. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts erklangen die Dahlhoffpolonesen in Dinker schon etwas anders, nachdem Johann Strauß der Ältere dort einmal die weihnachtliche Polonese beobachten konnte und dafür eine schöne Melodie komponierte, die damals Johann Dahlhoff der Jüngere dann in seine Sammlung mit aufnahm.

Hier ist diese schöne Strauß-Polonese gespielt von der DAHLHOFF-BAND.

Die Dinkeraner erregten mit ihrer Weihnachtspolonese ein großes Aufsehen auch in der Klassik-Szene und immer mehr bekannte Komponisten komponierten für dieses grandiose Tanzereignis, wie z.B. Nikolai Rimsky-Korsakov mit seiner „Weihnachtspolonese“: https://www.youtube.com/watch?v=KjhIEyMRppo

Es wurde ein groĂźer Hit damals als die ersten Schellackplatten im 19. Jahrhunderte aufkamen. Einzigartige Polonesen fĂĽr den Weihnachtstanz in Dinker komponierte auch der groĂźartige Frederik Chopin, der auf seinem Weg von Polen nach Paris in Dinker an der Poststation zum Pferdewechsel Station machte und dann wegen starken Schneefalles die Weihnachtstage dort verbringen musste. Hier ist seine lange Version fĂĽr die Weihnachtspolonese in Dinker: https://www.youtube.com/watch?v=CXtH8PnBSSE&t=2s

Wie es auch sei, so ist die Weihnachtspolonese heute nicht nur in Dinker, sondern allerorten ausgestorben und es wird höchste Zeit, sie wiederzubeleben. Weil es aber an großen Marktplätzen und großen Tannenbäumen überall mangelt, ist hier eine kleine Variante der Weihnachtspolonese von Dinker beschrieben, die in jedem kleineren Wohnzimmer ab 50 m² getanzt werden kann.

Im Unterschied zu damals hat diese Tanzform einen Partnerwechsel und kann somit mit der ganzen Familie getanzt werden, so dass auch der Opa mal mit der Enkelin zusammentanzt. Hier ist die Tanzbeschreibung der Weihnachtspolonese aus der Osdorfer Tanzwerkstatt.

Viel SpaĂź mit der Polonese um den Weihnachtsbaum wĂĽnscht Hinrich Langeloh!









Ă„ltere Empfehlungen:

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Oktober 2022: Hopp Marjännchen – Hopp Mariannele - Hopp Marjannchen


Zu Beginn des 19. Jahrhunderts wurde das schwungvolle Tanzliedchen „Hopp Marjännchen“ sehr populär in ganz Deutschland.

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August 2022: „Menuet Laschene“


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Juli 2022: Anglaise / Angloise / Englischer


Durch die Wiederentdeckung alter Handschriften mit Tanznoten sind inzwischen auch Melodien zu englischen Tänzen im spielerischen Gebrauch. Vivien hat für diesen Monat eine Angloise aus dem Wernigeroder Tanzbüchlein gewählt

Juni 2022: Die Tyrolienne


Diese schöne Melodie wurde zuerst 1918 veröffentlicht von Anna Helms und Julius Blasche in ihrem Heft „Bunte Tänze Nr. 2“

Mai 2022: Im Maien die Vögelein singen


Dieses schöne und schwungvolle Lied wurde um 1820 von Hoffmann von Fallersleben in der Gegend von Bonn am Rhein aufgezeichnet und erschien u.a. gedruckt bei Erk/Böhme im „Deutschen Liederhort“

April 2022: Ballett-Quadrille


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März 2022: Westharzer Triolett


Der Tanz des Monats im März 2022 ist das Westharzer Triolett, ein Kolonnentanz zu Dritt aus dem Harzer Vorland in Niedersachsen.

Februar 2022: Klapperman


Der Tanz des Monats Februar ist – in Absprache mit der Melodie des Monats von Vivien Zeller – der „Klapperman“, ein Tanz aus der Osdorfer Tanzwerkstatt für neue Deutsche Tänze.

Januar 2022: Abend liegt vor meinem Haus


Passend zur dunklen Jahreszeit habe ich einen Tanz ausgesucht mit einer neuen Melodie und einer neuen Tanzbeschreibung. Das Lied wurde geschrieben von Peter Michael Riehm ...